Ursprung von Yoga

Veda

Brahma Tempel, Pushkar

Werfen wir einen Blick zurück in die wohl älteste hinduistische Epoche, 3500 Jahre vor unserer Zeitrechnung, die Zeit des Veda. Der Veda ist eine Religion des Hörens, dessen Kern von Weisen „gehörte“ Offenbarungen bilden. Das Gehörte, d. h. die inspirierten Offenbarungen, gelten nicht als menschlich, sondern als göttlich. Diese Offenbarungen oder auch das heilige Wissen (Veda = das Wissen) wurden zunächst mündlich überliefert und erst viel später als eine Sammlung religiöser Texte schriftlich zusammengetragen. Der Ursprung also ist in traditioneller Lesart göttlich, rein und unschuldig.

Upaniṣads

Die älteren Upaniṣads bilden ungefär ab 800 v. Chr. einen Bestandteil des Veda und enthalten dessen Essenz. Sie haben sich aus den Ritualtexten entwickelt, welche vom Meister zum Schüler mündlich weitergegeben wurden. Wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet Upaniṣad „sich in der Nähe“ oder „zu Füssen eines Meisters niedersetzen“.

Sonar Quila, Jaisalmer 1Sonar Quila, Jaisalmer 2Zur Zeit der jüngeren Upaniṣads entstehen ab ca. 200 v. Chr. die eigentlichen Grundlagentexte des Yoga, der hauptsächlich mit Meditation in Verbindung gebracht wird. Äussere Opfer weichen inneren Opferritualen in Form von Atemübungen. Der Leitgedanke des Yoga entsteht: die Abkehr von der Aussenwelt und die Hinwendung zur eigenen Innenwelt entsteht. Es geht darum, in Verbindung mit dem eigenen Wesenskern zu gelangen, denn er gilt als das reine Sein, das Eine, das Göttliche, der absolute Ursprung.

Ein berühmter Ausspruch aus den Upaniṣad lautet: „Tat Tvam Asi“: Du bist das. Du bist, was du siehst, denn was du wahrnimmst, ist durch deinen eigenen Geist, deine Einstellungen, Erfahrungen und Erwartungen gefärbt. Daraus können wir lernen!
Chandogya Upaniṣad.VI.8.7

Entwicklungslinie Haṭha Yoga

Die Wurzeln des Haṭha Yoga finden wir in der Philosophie des Hinduismus und in Teilen des Buddhismus. In enger Verbindung mit dem Philosophiesystem des Sāṃkhya, entwickelten sich ca. 300 v. Chr., eine praktische Umsetzung von Yoga. Sāṃkhya bedeutet wörtlich übersetzt „Aufzählung“.

Er liefert die weltanschauliche Grundlage, die indische Theorie für Yoga, während Yoga die Praxis bildet. Es geht in diesem System darum, den Schöpfungsprozess, also die Evolution oder auch Entfaltung, mit Hilfe von Meditation und der Yoga-Praxis wieder in eine Involution umzukehren. Die Erlösung wird also im Weg zurück zu unserem Ursprung, dem Unentfalteten, gesehen. Die Involution ist die Umkehr, die unabdingbar ist, wenn der Mensch eine Transformation erfahren möchte. Ca. 300 n. Chr. verfasst Patañjali das Yoga Sūtra; die Grundlagentexte hierfür finden sich im Sāṃkhya Yoga. Wir finden darin u. a. Körperübungen, die Schulung des Atems, Konzentrationsübungen und Meditationstechniken. Auch erfahren wir, dass das Erleben der Einheit nur in der Stille möglich ist. Das Erreichen der Stille ist also das notwendige Zwischenziel, um Einheit zu erfahren.

Durch den Tantrismus beeinflusst, entsteht im 13. Jh. n. Chr. der Haṭha Yoga. Die beiden Pole Śiva und Śakti, männlich und weiblich, sollen wieder miteinander verbunden und ausgeglichen werden, damit die Lebensenergie frei fliessen und der Mensch transzendente Erfahrungen machen kann.

Wie der Yoga zu den Menschen kam oder die Geschichte des Matsyendranāth

Ein indischer Mythos berichtet, wie der Tantrismus auch die Weisheitsgeschichten beeinflusst hat...

Siva & Sakti

„Oh, Herr“, sagte eines Tages Śakti zu ihrem Gemahl, dem grossen Gott Śiva, „ich habe alle heiligen Schriften gelesen und bin den Belehrungen deiner Priester gefolgt. Trotz allem sind Zweifel und viele Fragen in mir geblieben. Bitte erkläre mir einen Weg, auf dem ich und die Menschen, die meine Schöpfung sind, zu dir finden können. Wie kann es uns möglich sein, in der Welt der Äusserlichkeiten und der Verblendung unsere wahre Natur zu erkennen?

Wie können wir den Weg zu unserem Wesenskern finden, von dem du sagst, dass du dich in ihm spiegelst? Was können wir tun, damit unser Geist endlich ruhig wird und zu Klarheit findet? Oh Herr, belehre mich, und zeige mir den Weg!“ So sprach die schöne Śakti, sich unwissend stellend, auf dass der Gott ihr den Yoga lehren möge – den Yoga, der es den Menschen ermöglichen würde, zu ihrem wahren Wesenskern zurückzufinden.
Und da Śiva voller Liebe für Śakti und die Menschen war, zog er sich mit seiner Gemahlin auf eine einsame Insel zurück, um sie im geheimen Wissen des Yoga zu unterweisen.
Śakti lernte mit Hilfe des Yoga, das Wunder ihres Körpers in seiner ganzen Kraft und Geschmeidigkeit zu erfahren und ihn so als Quelle des Wohlbefindens zu erleben. Śiva lehrte Śakti auch die feinsinnigen Atemübungen des Yoga, die dem Geist Frieden und Klarheit bringen und die unmittelbare Empfindung der Lebensenergie – des wunderbaren Prāṇa – ermöglichen. Er unterwies sie in den Bandhas, durch die die Lebensenergie im Körper gesammelt werden kann und die der Energielosigkeit und Fahrigkeit entgegenwirken. Tief versunken meditierten die beiden viele Jahrhunderte lang.
Da Śiva und Śakti einander so zugewandt waren, dass ihr Bewusstsein verschmolz, hatten sie nicht bemerkt, dass sie die ganze Zeit belauscht worden waren. Im ufernahen Schilf dümpelte nämlich ein Fisch, der, nachdem er die ersten Fragen der Śakti vernommen hatte, neugierig verweilte, um an den Geheimlehren des Yoga teilzunehmen. So geschah es, dass auch Matsya sich den Lehren des Yoga hingab und in tiefe Meditation versank.
Als Śakti zu ihrem Ursprung in Śiva zurückgefunden hatte, erfuhr sie, dass der Yoga sie in den Zustand der Vereinigung und der Einheit zu führen vermochte. Sie hatte das Ziel des Yoga – Samadhi – erfahren und wusste nun, dass der Weg des Yoga funktionierte und so beschloss das göttliche Paar, die Unterweisung zu beenden. Da erwachte auch Matsya aus seinem Fisch-Samadhi. Eilig wollte er davonschwimmen und überlegen, was er mit dem neuen Wissen anfangen könnte. Doch just in diesem Moment bemerkte ihn Śiva.
Matsya fühlte sich erkannt und war voller Glück und Entzücken. Er wusste, was er zu tun hatte und ihm wuchs der starke Wunsch, sein Wissen zu den Menschen zu bringen und es mit ihnen zu teilen. Śiva, dem dies nicht verborgen geblieben war, schaute ihn lange und tief an – da war dieser Wunsch und der Wunsch war gut. Und der war genau das, was Śakti von ihm erbeten hatte: Die Vermittlung des Wissens, durch das die Menschen und alle anderen Wesen dieser Welt in den seligen Zustand der Verschmelzung mit dem Göttlichen zurückfinden können. Also sprach der Gott: „Matsya, hiermit gebe ich dir den Namen Matsyendranāth – Herr der Fische. Du wirst menschliche Gestalt annehmen und zu den Menschen gehen, um ihnen Yoga zu lehren.“
Trökes Anna: Wie der Yoga zu den Menschen kam. 2006.



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